Achter und letzter Tag unserer Streifzüge:

Am vorletzten Tag unserer Romfahrt fuhren wir nocheinmal zum Vatikan, um die Sixtinische Kapelle und die Vatikanischen Museen zu besichtigen.
Die Sixtina wurde Mitte des 15.Jahrhunderts im Auftrag von Sixtus IV. gebaut. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde sie - hauptsächlich von Michelangelo - mit Gemälden ausgestattet. Diese Kapelle ist im Gegensatz zu anderen römischen Kirchen ein reiner Viereckbau ganz ohne Seitenschiffe. Die Seitenwände sind dreimal unterteilt. Der untere weist einfache gemalte Vorhänge auf. Bei feierlichen Anlässen wird er mit Wandteppichen Raffaels geschmückt, die normalerweise in den Vatikanischen Museen zu sehen sind. In der mittleren Zone der Seitenwände verlaufen zwei Freskenzyklen, auf der einen Seite Episoden aus dem Leben des Moses, auf der anderen Szenen aus dem Leben Jesu. Mit einem Verfahren, das auf mittelalterliche Traditionen zurückgeht, werden in beiden Zyklen die sich entsprechenden Geschehnisse gegenübergestellt. Der Reihe nach sind dargestellt  die Reise des Moses nach Ägypten, die Jugend des Moses, der Durchgang durch das rote Meer, die Übergabe durch Moses der Gesetzestafeln, die Strafe von Core, Datan und Abiron, das Testament und der Tod des Moses. Auf der anderen Seite sieht man die Taufe Jesu, die Versuchung Christi, die Berufung des ersten Apostels, die Bergpredigt, die Schlüsselübergabe an Petrus und das Abendmahl. Auf der Wand gegenüber dem Hauptaltar sind die Abschlußszenen der beiden Zyklen dargestellt, nämlich die Auferstehung Jesu und die Verteidigung des Leichnams Moses. Im oberen Teil der Seitenwände sind zwischen den Fenstern die ersten Päpste dargestellt.
Die Decke ist ein Werk Michelangelos, man kann sie wiederum in drei Teile untergliedern. Die dem Fenster zugewandten Teile der Decke zeigen die Figuren der Propheten und der Sybillen. Auf den neun Bildern des Mittelteils sind Schöpfungsszenen zu sehen, die Vertreibung aus dem Paradies und die Sintflut.
Das hervorstechendste und größte Gemälde ist das Fresko des Jüngsten Gerichts auf der Wand hinter dem Hochaltar, ebenfalls ein Werk Michelangelos. Die elegante asymmetrisch Komposition findet ihren Höhepunkt in der Figur des richtenden Christus.
Auch heute noch ist die Sixtinische Kapelle päpstliches Privateigentum. Hier treffen sich die Kardinäle zur Papstwahl.
Die Vatikanischen Museen, in deren Mauern sich die Sixtina befindet, ist ein riesenhafter Gebäudekomplex, in dessen Säälen und Kammern man sich sehr wohl verlaufen kann. Hier sind all die Kostbarkeiten gehortet, die der Vatikan im laufe der Zeit erwerben konnte. Man findet alte Handschriften, antike Statuen, kostbare Gewebe, Modelle von Kirchen, Darstellungen von Päpsten. Zu den bekanntesten Schätzen des Vatikanischen Museums gehören die Stanzen Raffaels. Sie entstanden zur gleichen Zeit wie Michelangelos Deckenmalerei in der Sixtina. In der ersten Stanze, der des Borgobrand, sieht man eben den, die Schlacht von Ostia, die Verteidigung Leos III. und die Krönung Karls des Großen. Es folgt die Stanza della Segnatura. Sie enthält den Streit um das heilige Sakrament, die Schule von Athen und den Parnass. Die Stanze des Heliodor zeigt das Wunder von Bolsena, die Begegnung Leos des Großen mit Attila und die Befreiung des Hl. Petrus aus dem Kerker.
Ich fürchte aber, daß die Vatikanischen Museen - und wir hatten noch nicht einmal alle Sääle gesehen - eine solche Fülle von Eindrücken uns vermittelten, daß wir kaum in der Lage waren, sie alle zu verarbeiten. Jedenfalls waren wir froh, den letzten Nachmittag für uns zu haben. So konnten wir unsere letzten Lire noch unter die Leute bringen, einige Andenken kaufen oder ganz einfach irgendwo herumsitzen und das Treiben der Leute beobachten.
 
 

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