Fünfter Tag:(Einige Stellen des folgenden Textes sind mit (.........) gekennzeichnet. Ich bitte um Nachsicht, dass bei der Abschrift in meinem Exemplar der - immerhin 40 Jahre alten Kopie - diese Passagen beim besten Willen nicht mehr von mir entzifferbar waren . (Bernd)).Heute, mühsam geweckt und noch mühsamer auf Trab gebracht, begannen wir unseren Spaziergang zu den Palazzi, den gewaltigen, meist um quadratische Innenhöfe angelegten Residenzen römischer Adelsgeschlechter. Schon von außen legen sie durch ihre Größe, durch die Ausschmückung und Gliederung des Hofes und der Fassade, Zeugnis ab von der Kunst des Architekten und vom Reichtum der Erbauer. Nach der Besichtigung des Palazzo della Cancelleria, mit dem Travertin des Kolosseums erbaut von Bramante, kamen wir zur architektonischen Krönung der römischen Renaissancepaläste, dem Palazzo Farnese. Die Proportionen der Fassade, nur aufgelockert durch zu kleine, zu eng stehende Fenster und Säulenbekleidung, hat Michelangelo durch ein großes Kranzgesims gewahrt. Auch der Innenhof stammt von ihm. Der Palazzo Spada stammt zwar aus der Renaissance, aber er wurde von Borromini in einem bereits manierierten Barock restauriert. Seine Architektur wird durch Skulpturen, aufgestellt in Nischen, und frei bewegte Fruchtschnüren ergänzt und aufgelockert.
Durch das Judenviertel, wo gerade Markt gehalten wurde, gelangten wir zum Schildkrötenbrunnen, wo endlich der Nachdurst des gestrigen Abends gelöscht werden konnte. Da sitzen vier feingliedrige, in ihren Proportionen überdehnte Jünglinge und heben die Schildkröten an den Rand der oberen Brunnenschale, gleichsam um sie zu tränken. Im weiteren Verlauf unserer Route kamen wir über die Piazza Navona, wo wir Gelegenheit hatten, die an anderer Stelle erwähnten Brunnen dieses Platzes mit dem Schildkrötenbrunnen zu vergleichen.
Schließlich gelangten wir zu der von Vignola erbauten Jesuitenkirche Il Gesù, die eines der großartigsten, reichsten und auch überzeugendsten Zeugnisse des Barocks ist. Hier wurden zum ersten Mal die Seitenschiffe auf abgeschlossene Kapellen beschränkt und die Betonung auf Höhe und Weite des Hauptschiffs gelegt. Ob ihrer ungemeinen Schmuckpracht und Vollkommenheit ist die Kapelle des Hl. Ignazius sehr berühmt geworden.
Auf dem Rückweg streiften wir die Piazza Barberini und betrachteten ihren barocken Tritonbrunnen. Der Triton schaut zum Himmel und bläst in eine mit beiden Händen hochgehaltene Muschel, aus der ein hoher Wasserfall sich in die beiden geöffneten Schalen einer weiteren Muschel ergießt.
Als wir am Nationalmuseum, das sich in den Resten der Diokletiansthermen befindet, ankamen, waren wir auf ein kleines Häuflein zusammengeschmolzen, die nahegelegene Pensione lockte, die Strapazen der letzten Tage machten sich bemerkbar (........) das waren viele in den verwinkelten Gassen, durch die wir zogen.
Immerhin aber befinden sich im Nationalmuseum zahlreiche Mosaiken und frühchristliche, römische Sarkophage mit reichen Reliefdarstellungen. Des Museums Sammlung von Skulpturen und Bronzestatuen griechischer und römischer Schulen ist eine der bedeutendsten der Welt. Trotzdem machte uns die ganze Museumsanlage einen halbfertigen Eindruck. Eine unter Glas zur Schau gestellte halbverkohlte Kinderleiche aus längst versunkenen Zeiten beeindruckte uns von all der vielen Kultur am meisten.
Nach dem Essen und einer kurzen Mittagspause machten wir uns auf den Weg zur Basilika San Giovanni in Laterano. Als wir uns vom Vorplatz her näherten, bot sich uns ein Blick auf die mächtige, von Alessandro Galilei geschaffene Fassade mit der großen vorgelagerten Freitreppe, der Loggia, den Säulen und Pilastern, der weithin sichtbaren Attika mit ihren zwölf riesigen Statuen. Die Basilika ist eine der sieben Pilgerkirchen und gilt als rangerste der Hauptkirchen. In ihrem Inneren sind die Häupter von Petrus und Paulus aufbewahrt. Im Hof befindet sich ein Kreuzgang mit einer von mosaikgeschmückten Doppelsäulen getragenen Arkade. Da die zum Lateran gehörige Taufkapelle geschlossen war, begaben wir uns zur nahegelegenen Kirche San Clemente. Sie besteht eigentlich aus drei übereinanderliegenden Bauwerken. Da ist zunächst ein auf Kellerniveau liegendes, in Resten erhaltenes römisches Haus, das ein Mithrasheiligtum beherbergt, darüber eine frühchristliche Kirche und schließlich die um die Jahrtausendwende erbaute heutige Basilika. Beide, obere und untere Kirche, sind reich mit Fresken geschmückt. Die Oberkirche wird durch antike Säulen in drei Schiffe geteilt, von denen das mittlere eine "schola cantorum" besitzt. Als letzte Kirche besichtigten wir schließlich San Pietro in Vinculi. Sie ist eine dreischiffige Basilika mit antiken Säulen, die aus Tempelbauten gebrochen wurden. In ihr fanden wir die von Michelangelo geschaffene Mosesstatue. Unter dem Hochaltear werden in einem Bronzetabernakel als Reliqie die Ketten aufbewahrt, von denen man sagt, Petrus sei mit ihnen gefesselt worden.
Den Abend durften wir nach unserer Wahl gestalten. Er wurde von einigen Klassenkameraden zu einem Bummel über den Corso d'Italia unter Leitung von Herrn Schaeben genutzt.