Dritter Tag:Audienz, Petersdom und Spanische Treppe. Um 10 Uhr morgens hatte uns der Papst zur Audienz in den Petersdom gebeten. Nach den üblichen Weckzeremonien, jedoch ohne Maschinenpistole, gaben wir uns dem an trockenem Brot äußerst reichhaltigen Frühstück hin. Vom Bahnhof Termini fuhren wir mit doppelstöckigen Stadtbussen am Viktor-Emmanuel-Denkmal vorbei den Corso gleichen Namens entlang, sahen, während wir den Tiber überquerten, den Mammutklotz Engelsburg zur Rechten liegen und näherten uns geradewegs den dem Petersdom vorgelagerten Kolonaden. Dieser eindrucksvolle Säulengang umfasst den elliptischen Petersplatz, in dessen Zentrum sich ein ägyptischer Obelisk erhebt. Zu beiden Seiten liegen zwei barocke Springbrunnen, welche die Römer, getreu den pragmatischen Ansichten ihrer Vorfahren, bei günstigem Wind als Autowaschanlagen zu nutzen verstehen.
Betritt man den Petersplatz von der Via della Conciliazione her durch die Öffnung der Kolonaden, wird der Blick sofort von der Barockfassade, die Maderno errichtete, gefangengenommen, während die riesenhaften Grössenverhältnisse des eigentlichen Zentralbaus von Michelangelo hinter dem überdehnten Langschiff und dieser Fassade verborgen bleiben.
Die Gläubigen aus aller Welt strömten in den Dom. Unter dem frenetischen Applaus der Massen wurde Papst Paul VI., blitzlichtumflammt, auf seinem Thron zum Altar getragen. Das laute, weniger an eine Kirche als an eine amerikanische Wahlveranstaltung erinnernde Treiben der Besucher, berührte die meisten von uns sehr unangenehm. Eine Stunde dauerte die Ansprache des Papstes und ihre Übersetzung in die Landessprachen der Besucher, dann wurden einzelne Gruppen gesondert aufgerufen; sie huldigten dem Papst durch Zurufe und Chorgesänge. Schliesslich erteilte Paul VI. allen Besuchern und ihren Angehörigen den päpstlichen Segen.
Durch die romantisch gewinkelten Gäßchen der Altstadt wanderten wir bei strahlendem Sonnenschein unseren wochen- und sonntäglichen Nudeln entgegen. Nach beendetem Verdauungsschlaf fuhren wir, den Verlockungen des oft geküssten grossen Zehs der Petrusstatue Arnolfo di Cambios erlegen, dem Petersdom wiederum entgegen. Nach mühseliger Ersteigung der 120m hohen Kuppel lag uns Rom zu Füßen. Ein anschließender Rundgang erschloß uns das Innere des Doms und seine schönsten Sehenswürdigkeiten(1), (2). Von den unvorstellbaren Dimensionen der ganzen Anlage, in deren einen Kuppelpfeiler eine kleine römische Barockkirche hineipasst, erschlagen, genossen wir anschliessend auf der Via della Conciliazione einen wohlverdienten Capucino.
Nach den Abendsuppennudeln wanderten einige Unentwegte zur Spanischen Treppe. Sommers ist diese Treppe der allgemeine Treffpunkt der Liebespaare und Gammler Roms. Voll des süßen Weines ließen wir dort die Ereignisse des Tages noch einmal an unseren wunden Füßen vorbeiziehen.