Zweiter Tag:Nachdem wir, um 8 Uhr von Herrn Trippe geweckt, unser sogenanntes Frühstück, schwarzer Kaffee und ein hauchzart mit Butter und Marmelade bestrichenes Monstrum von Brötchen, hinuntergewürgt hatten, begaben wir uns zum Forum Romanum. Dort, auf der Treppe des Antonius und Faustina Tempels, erhielten wir erste Instruktionen von unseren Referenten Bio und Heiko (Melli).
Das Forum Romanum ist der Mittelpunkt des alten Rom und liegt in einer Talmulde zwischen Kapitol, Palatin und Quirinal. Ursprünglich war es ein Marktplatz, wurde aber dann, im Laufe der Zeit, Mittelpunkt des politischen und kommerziellen Lebens des römischen Weltreiches.
Unsere Besichtigung des nurmehr ein Trümmerfeld darstellenden Forums begannen wir mit der Kurie, dem Versammlungsort der Senatoren. Ihr gegenüber liegt der Lapis Niger, ein Pflaster aus schwarzem Marmor, unter dem die Überlieferung das Grab des Romulus vermutet. Ein Stück weiter oberhalb befindet sich der gut erhaltene Triumphbogen des Septimus Severus (208 n.Chr.). In Reliefbildern stellt er die siegreichen Orient-Feldzüge des Kaisers dar. Dann, auf dem Weg zur Via Sacra, passierten wir den Sockel des "Goldenen Meilensteines". Diese Marmorsäule stellte Augustus hier, im Mittelpunkt der Welt, auf und ließ darauf in goldenen Zahlen die Entfernungen der Provinzen des Imperiums von Rom auftragen. ( An dieser Stelle glaubte Herr Trippe, einen kleinen grünen Steinbeißer gefunden zu haben). Zur Via Sacra gelangt, besichtigten wir zuerst die Überreste des Saturntempels, dann die Fokassäule, die Reste des ehemaligen Vestatempels und des Hauses der Vestalinnen, verschiedene Säulenstümpfe des Augustustempels und Santa Maria Antiqua, in der wir einige gut erhaltene Fresken betrachten konnten. Dann gelangten wir zum Titusbogen, wo wir die Reliefdarstellungen des siebenarmigen Leuchters und der Bundeslade, die an die Eroberung Jerusalems durch Titus im Jahre 70 n.Chr. erinnern, bewundern. Später erklommen wir den Palatin, in dessen weiträumigen Gartenanlagen wir uns mit "Aranciata!Coca!" und kaum genießbaren Apfelsinen erfrischten. Der Abstieg vom Palatin führte uns durch die Gänge der alten Kaiserpaläste zurück zum Forum.
Danach begaben wir uns auf dem kürzesten Wege zurück zu unserer Pensione Mevio, wo wir um zwei Uhr die ersten Spaghetti aßen. Unsere bekleckerten Hemden ließen uns ahnen, wie weit wir noch von der Meisterschaft in diesem verwickelten Handwerk entfernt waren. Nach einer Ruhepause machten wir uns auf die (schon durchgelaufenen) Socken, um das Pantheon und die Piazza Navone kennenzulernen.
Ursprünglich von Agrippa für seine Thermen erbaut, wurde das Pantheon später, zur Zeit Hadrians, mit einer Vorhalle versehen als Tempel verwandt. Dem eigentlichen Rundbau liegt die Form einer Halbkugel zugrunde, die in einem Zylinder gleichen Durchmessers eingebaut ist. Das bedeutet, dass die Raumhöhe mit beinahe 44m der Raumweite entspricht. Der monumental wirkende Innenraum, der ausschliesslich durch eine neun Meter große, kreisrunde Öffnung im Scheitel der Kuppel beleuchtet wird, gliedert sich durch abwechselnd halbrunde und rechteckige Nischen, drei große und vier kleine. Ob der Ausgeglichenheit seiner Proportionen sah die Renaissance in diesem Bauwerk eines der harmonischsten Gebäude der Antike. So wurde es, zusammen mit der Konstantinsbasilika am Forum, zum Vorläufer des Petersdomes. Dessen Kern, dem eigentlichen Kuppelbau, liegt die Idee zugrunde, die Kuppel des Pantheon auf das Schiff der Konstantinsbasilika zu setzen. (Durchmesser der Peterskuppel 42m). Schließlich liefert die Tatsache, dass Raffael auf eigenen Wunsch hier im Pantheon beigesetzt wurde, einen weiteren Beweis für die Verehrung, die dem Pantheon in der Renaissance zuteil wurde.
Nach der Besichtigung des Pantheon gingen wir zur Piazza Navona, weil wir dort zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten: Wir gönnten uns hier in einem Straßencafé einen wohlverdienten Capucino und konnten dabei in aller Ruhe die Platzarchitektur des römischen Barock geniessen. Der Platz wurde auf dem Terrain des alten Domitianscircus errichtet. Hier befinden sich drei Brunnen: Berninis Fontana dei Fiumi, dessen vier Statuen Verkörperungen von Nil, Ganges, Donau und LaPlata sind und damit Darstellungen der vier Erdteile, dann die Fontana del Nettuno und die Fontana del Moro. Vor der Fontana die Fiumi erhebt sich die leicht geschwungene und fließende Fassade der Kirche Santa Agnese in Agone, überragt von einer Kuppel und flankiert von zwei schlanken Türmen.
Nach dem Abendessen scharte sich ein Teil unserer Belegschaft um die beiden Lehrkörper und man beschloß, den Abend in Trastevere zu verbringen, wo die echtesten Römer hausen sollen. Bei D'Oro kehrten wir ein, labten uns mit Vino und Spaghetti á la carbonara. Nach einem vergnüglichen Heimweg vorbei am Trevibrunnen und der Piazza Barberini kamen wir um ein Uhr an.